WELCHE ARTEN VON KLETTERSEILEN GIBT ES?
Je nach Einsatzgebiet kommen unterschiedliche Seiltypen zum Einsatz: Einfachseile, Halbseile und Zwillingsseile. Seile zum klettern sind immer dynamisch, sie dehnen sich bei einem Sturz aus. Das ist zum einen wichtig, da sie dadurch bei einem Sturz die auf den Körper wirkenden Kräfte reduzieren und damit Verletzungen vorbeugen. Gleichzeitig wird so verhindert, dass es bei hoher Belastung zu Materialversagen kommt: Ein dynamisches Seil hält deutlich mehr Krafteinwirkung aus, als ein statisches Seil. Um welche Art Seil es sich handelt, kannst du an den Seilenden ablesen.
Einfachseil
Das Einfachseil ist der gängigste Typ von Kletterseilen. Es wird hauptsächlich beim Sportklettern in der Kletterhalle oder im Klettergarten oder bei Hochtouren verwendet. Einfachseile sind unkompliziert im Handling und werden einzeln verwendet.
Halbseil
Halbseile werden immer als Paar eingesetzt. Sie kommen vor allem bei (alpinen) Mehrseillängen, beim Trad-Klettern oder Eisklettern zum Einsatz. Halbseile kann man sowohl gemeinsam an der selben Zwischensicherung als auch an einzelnen Sicherungen einhängen. Durch das getrennte Einhängen der beiden Seile lässt sich die Seilreibung am Fels reduzieren, vor allem bei einer ungeraden Routenführung. Beim Abseilen haben sie den Vorteil, dass man durch die beiden Stränge die volle Länge des Seils zur Verfügung hat.
Zwillingsseil
Auch Zwillingsseile werden paarweise verwendet. Im Gegensatz zum Halbseil müssen jedoch beide Seile immer gemeinsam in jede Zwischensicherung eingehängt werden. Sie sind besonders leicht und eignen sich für alpine Touren und haben beim Abseilen den gleichen Vorteil wie Halbseile.
Seile mit Mehrfachzertifizierung
Kletterseile können auch mehrfach zertifiziert sein. Gängig sind z.B. dünne Einfachseile, die doppelt verwendet auch als Halb- und Zwillingsseil eingesetzt werden können oder Halbseile, die auch als Zwillingsseil verwendet werden können.
Imprägniert oder nicht?
Ein imprägniertes Seil nimmt deutlich weniger Wasser auf und bleibt auch bei Schnee, Eis oder Regen trocken und damit weiterhin handlebar und leicht. Deshalb lohnt sich eine Imprägnierung besonders für Hochtouren, Eisklettern oder alpines Klettern.
Für die Kletterhalle oder Sportklettern am Fels reicht in den meisten Fällen ein nicht imprägniertes Seil völlig aus. Es ist zudem günstiger.
WIE LANGE MUSS MEIN KLETTERSEIL SEIN?
Die richtige Seillänge hängt davon ab, wo du unterwegs bist.
In der Kletterhalle reichen häufig 30 bis 40 Meter. Fürs Sportklettern draussen sind 70 oder 80 Meter die richtige Wahl, so bleibt bei langen Routen noch genug Seil, um abgelassen zu werden.
Beim Hochtouren ist die Seillänge abhängig von der Grösse der Seilschaft und Tour. Auch die Fachwelt ist sich nicht über die «richtige» Seillänge einig. Auf der sicheren Seite bist du mit einem 50 Meter Seil, weil dieses auch bei einer Spaltenrettung noch genug Sicherheitsreserven bietet.
Beim Mehrseillängenklettern sind 50 oder 60 Meter üblich. Falls du in der Route abseilen möchtest oder musst, benötigst du Halb- oder Zwillingsseile. Beim Einfachseil steht dir lediglich die Hälfte des Seils zum Abseilen zur Verfügung, was knapp werden kann.
WIE PFLEGE ICH MEIN KLETTERSEIL RICHTIG?
Ein gut gepflegtes Kletterseil hält länger und bleibt angenehmer im Handling. Schmutz, Sand und Staub wirken wie feines Schleifpapier und erhöhen den Verschleiss der Fasern.
Wenn dein Seil sehr dreckig ist, empfiehlt es sich, es zu waschen. Das geht gut in der Waschmaschine. Wasche es aber wirklich nur dann, wenn es verschmutzt ist.
So gehst du vor:
1. Falls du möchtest, kannst du das Seil locker zu einer Kette knüpfen – ähnlich wie Luftmaschen beim Häkeln. Dadurch bleibt es beim Waschen kompakt und verknotet sich weniger.
2. Wasche das Seil bei maximal 30 °C im Schon-, Outdoor- oder Wollprogramm mit höchstens 600 Umdrehungen pro Minute.
3. Verwende ein mildes Waschmittel, das keine Rückstände hinterlässt und die Fasern nicht angreift. Z.B. Tech Wash von Nikwax.
4. Lasse das Seil anschliessend liegend an der Luft trocknen. Vermeide direkte Sonneneinstrahlung, Heizungen oder den Trockner. Hänge das Seil auch nicht zum Trocknen auf, da sich dadurch einzelne Bereiche unnötig belasten können.
Ein Seilsack schützt dein Seil zusätzlich vor Schmutz und verhindert, dass es am Boden unnötig über Sand oder kleine Steine gezogen wird.
WANN SOLLTE ICH MEIN KLETTERSEIL ERSETZEN?
Dein Seil ist deine Lebensversicherung – deshalb solltest du bei Zweifeln lieber einmal zu früh als zu spät ersetzen.
Kontrolliere dein Seil regelmässig auf:
- Mantelbeschädigungen
- auffällige Verdickungen oder Verjüngungen
- flache, weiche oder «flauschige» Stellen
- freiliegenden Kern
- starke Verhärtungen

Diese Seile sind absolut nicht mehr zum Klettern geeignet. Der Mantel ist stark abgenutzt und der Kern ist sichtbar. In so einem Fall: Bitte früher austauschen als auf dem Bild!
Hilfreich ist auch der sogenannte Knicktest. Lässt sich das Seil an einer Stelle stark knicken, bedeutet das, dass der Kern schon stark abgenutzt oder beschädigt ist und das Seil aussortiert werden sollte.

Links Knicktest bestanden, Rechts nicht. Bitte Seil austauschen!
Neben sichtbaren Schäden spielen auch die Anzahl der Stürze, die Nutzungshäufigkeit, die Lagerung und das Alter eine Rolle. Das Produktionsdatum findest du an den Seilenden. Auch ein kaum benutztes Seil sollte nach den Vorgaben des Herstellers ersetzt werden, meistens nach maximal 10 Jahren. Das Produktionsdatum des Seils kannst du am Seilende sehen.
Dieses Seil ist ganz neu und wurde 2026 produziert.
PFAS-EINSATZ BEI IMPRÄGNIERTEN SEILEN
Viele wasserabweisend imprägnierte Kletterseile werden nach wie vor mit Ewigkeitschemikalien (PFAS) behandelt. Diese Stoffe bauen sich in der Umwelt nicht ab und verschmutzen damit nicht nur Wasser und Böden, sondern reichern sich über Nahrung und Wasser auch im Menschen an und sind krebserregend.
Immer mehr Hersteller bieten deshalb PFAS-freie Imprägnierungen an. Beim Neukauf lohnt sich deshalb ein Blick auf die Angaben des Herstellers.
WARUM VERKAUFEN WIR KEINE GEBRAUCHTEN KLETTERSEILE?
Vielleicht hast du dich schon gefragt, warum du bei 2nd Peak keine gebrauchten Kletterseile findest. Der Grund ist einfach: Bei sicherheitsrelevanter Ausrüstung möchten wir kein Risiko eingehen.
Von aussen lässt sich nie mit Sicherheit beurteilen, wie ein Seil behandelt wurde. War es grossen Stürzen ausgesetzt? Wurde es richtig gelagert? Ist es mit Chemikalien in Berührung gekommen? All das kann die Sicherheit beeinträchtigen, ohne dass man es dem Seil ansieht.
Dasselbe gilt übrigens auch für Helme, Klettergurte, Karabiner, Expresssets und Sicherungsgeräte.
Wenn du ein gebrauchtes Kletterseil kaufen möchtest, dann nur von Personen, denen du vertraust und die dir die Vorgeschichte des Seils erzählen können.
Unser Tipp: Spare lieber bei Kleidung, Kletterschuhen, Chalkbags oder Rucksäcken – dort findest du bei 2nd Peak viele hochwertige Secondhand-Produkte.
GIB DEINEM ALTEN SEIL EIN ZWEITES LEBEN
Ist dein Kletterseil nicht mehr sicher genug zum Klettern, muss es nicht gleich im Abfall landen.
Aus alten Kletterseilen entstehen bei uns viele schöne Upcycling-Produkte: Von Schlüsselanhängern über Gürtel bis hin zu Fussmatten.
Schau dir unsere Upcycling-Produkte aus ausgedienten Kletterseilen an oder erfahre in unserem letzten Blogeintrag mehr darüber, wie aus einem alten Seil ein neues Lieblingsstück entsteht.
Written by, Fotos: Lara Moch


